Erdbeben Haiti 8 – CTF/SOS Drs vor Ort – Die Mission geht weiter 2

Vater Scott Binet, MD, MI

Vor Ort in Haiti 1
Die Erdbebenopfer kommen nach wie vor in großer Zahl ins Krankenhaus – Menschen mit Armbrüchen, Brüchen des Oberschenkels oder des Beckenbodens, solche, die an Mangelernährung, Dehydrierung, Bewusstseinsverlust, Anfällen,  infizierten Wunden und mehr leiden.

Das Krankenhaus der Kamillianer in Port au Prince ist am Rande seiner Funktionsfähigkeit – voll mit Erdbebenopfern und ihren Familien. Das Personal ist sehr unter Stress, jede/r ist selbst im einen oder anderen Sinne traumatisiert und essentielle Dinge wie Essen sind oft schwer zu besorgen. Nichstdestoweniger, die Dinge gehen weiter: Sie müssen! Viele Haitianer sind es gewöhnt, mit dem Mindesten zu überleben, aber das Erdbeben hat ihnen einen neuen, schwerwiegenden Schlag versetzt und hat die Dinge noch einmal wesentlich verschlechtert.

Willkommen im Krankenhaus der Kamillianer

Die Auswirkungen der Katastrophe sind sehr offensichtlich – zerstörte Häuser, Menschen, die hungrig und sehr krank sind, Anfälle aufgrund von Essens- und Wassermangel (ich habe bereits drei von ihnen behandelt), unfähig zu gehen aufgrund von Brüchen oder Amputationen (ca. die Hälfte unserer Patienten fällt in diese Kategorie), desorientierte Menschen oder solche, die aufgrund von Kopfverletzungen (z.B. durch fallende Objekte verletzt) nicht einmal mehr kommunizieren können oder solche, die an psychologischen Schocks leiden (ein Mann hatte seine Frau beerdigt und hatte dann total abgeschaltet und war stumm und unansprechbar geworden) etc.

Für mich als Arzt ist die Anzahl und die unterschiedlichen Arten von Krankheiten, die wir hier sehen, faszinierend. Aber es ist erschütternd von einer humanistischen Perspektive her: die Menschen leiden extrem und brauchen Hilfe. Die Ressourcen sind begrenzt in einer Situation, die vor dem Erdbeben schon schwierig und schlimm war. Ich habe bereits vier Personen zur weiteren Behandlung in die Vereinigten Staaten geschickt. De facto, der erste Patient, den ich im Krankenhaus behandelt habe, ist nun irgendwo in den Vereinigten Staaten. Als ich in Haiti angekommen bin, hatte ich mit Sicherheit nicht erwartet, den ersten Patienten dort hin zu schicken.

Die Ambulanz

Patrick Tomeny und ich kamen am Donnerstag, dem 21.Januar an. Keiner von uns wußte, was uns erwartet. Wir bezogen unsere Unterkunft in der Gemeinschaft, feierten die Hl. Messe und so weiter und bereiteten uns auf den nächsten Tag vor. Und dies wurde ein ziemlich „bemerkenswerter“Tag:

Nach der Messe um 6.30 Uhr in der Gemeinschaft der Kamillianer schickte ich Patrick in die Krankenhausambulanz, um nach Patienten aus der Gegend zu fragen. Er wurde unterstützt von einem Fahrer, der in der Lage war, sich in den ärmeren Gegenden und Zeltstädten von Port au Prince zurechtzufinden. Die erste Patientin, die sie an diesem Tag brachten, war eine Frau, die bewußtlos war und offensichtliche Zeichen eines neurologischen Geschehens zeigte. Sie war in diesem Zustand seit vier Tagen gewesen und niemand hatte sie ins Krankenhaus gebracht. Nachdem wir nach vor Ort behebbaren, behandelbaren Ursachen für ihren Zustand gesucht hatten und keine gefunden hatten, entschied ich, dass sie zunächst stabilisiert werden müsse und einen CAT-Scan und dann weitergehende neurologische Behandlung woanders brauche: wir schicken sie also am nächsten Morgen in die Vereinigten Staaten. Genauer: als ich merkte, dass ich vor Ort kaum mehr etwas für diese Frau tun konnte, fragte ich Dekan Vernan, MI, uns in ihrer Gegenwart in einem Gebet zu führen.  Die Familie schloß sich uns an und wir beteten das Vaterunser auf Kreolisch. Unsere Gebete begleiteten sie, als die Ambulanz sie abholte. Ich hoffe, diese Frau ist in guten Händen, wo immer sie nun ist. Willkommen bei der medizinischen Betreuung nach dem Erdbeben in Haiti, mit dem CTF-SOS DRS Ansatz der zusätzlichen Seelsorge.

Den Rest des Tages hatte ich die Gelegenheit mit einer Gruppe von Ärzten aus Italien, dem Haitianischen Personal und meinen Kamillianerkollegen – 2 italienischen Priestern, einem Priester aus Haiti und einem aus Burkina Faso sowie zwei Diakonen aus Haiti zusammenzuarbeiten. Alle arbeiteten hart aber belasteten sich selbst auch bzw. erlitten eine Sekundärtraumtisierung. So schliefen einige nachts draußen aus Angst vor einem neuerlichen Erdgeben, bei dem sie im Gebäude hilflos in der Falle sitzen würden. Außerdem weigerten sich 15 Patienten aus denselben Gründen, das Krankenhaus zu betreten.

Die Anzahl der Patienten draußen vergrößerte sich ständig über den Tag hinweg, nachdem Patrick sie mit dem Ambulanzwagen brachte.

Sie arbeiten zusammen – Fr. Scott und Patrick

Und so sieht unsere Zusammenarbeit mit dem Personal vor Ort und den italienischen Ärzten aus.

Dr. Guiseppe, Ilna, Gianni, Franco

Sie waren am Morgen angekommen, unmittelbar, nachdem mein erster Patient gestorben war, bereit zu helfen und sehr kompetent: Paolo (ein Unfallchirurg), Guiseppe und Franco (Chirurgen) und Gianni, ein Gastroenterologe, der sich außerdem auf Krankenhausorganisation spezialisiert hat. Sie waren von einem örtlichen katholischen Krankenhaus geschickt worden – Dan Damiano. Wir teilten sofort unser Expertisen und unsere Arbeitskraft ein – wir organisierten uns im Sinne der Verantwortlichkeit für die Patienten.

Bei der Operation

Wir halfen vielen Menschen an dem Tag – zusammenarbeitend in einer koordinierten und effektiven Art und Weise trotz begrenzter Ressourcen und sprachlichen Herausforderungen: man konnte gleichzeitig vier Sprachen um das Bett eines Patienten herum sprechen hören – Englisch, Französisch, Creolisch und Italienisch.

Patrick und ich beschlossen diesen aufreibenden Tag mit einer Mahlzeit und dem Gebet eines Rosenkranzes in der Kapelle der Gemeinschaft. Wir hoffen, dies zu einem regelmäßigen und fixen Bestandteil unserer Erfahrungen hier in Haiti zu machen – ora et labora.

Die Mission geht weiter. Bleiben Sie dran und bitte beten Sie weiter.

Um diese Rettungsaktivitäten zu unterstützen und den Opfern des Erdbebens in Haiti zu helfen, klicken Sie hier. Die Menschen werden weiterhin viel brauchen und wir planen, ihnen noch einen längeren Zeitraum zur Verfügung zu stehen – um  medizinische, menschliche und seelsorgerisch-geistige Bedürfnisse zu stillen. Bitte helfen Sie uns, dies zu tun!

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